• Sog. Podagra oder Steigbügelkrankheit oder Arthritis urica

Hyperurikämie: ist eine Stoffwechselkrankheit, die durch chronische erhöhte Harnsäurewerte im Blut gekennzeichnet werden.

  • 6,8 mg/ dl bzw. 408 qmol/ l im Serum
  • Behandlungszielwert <6,0 mg/ dl bzw. 360 qmol/ l
  • Meist durch verminderte renale HS-Ausscheidung in Kombination miterhöhter Purin zufuhr verursacht

Gicht: ist eine Erkrankung die meist als Akute Monarthritis beginnt, nach symptomfreien Intervallen rezidiviert und allmählich in eine destruierende Gelenkerkrankung übergeht.

  • Systemerkrankung in Gelenken und anderen Geweben
  • Auskristallisation der HS zu Kristallen und Ablagerung in den Verschiedenen Gelenken, Niere, ableitenden Harnwegen
  • Folge einer chronischen Hyperurikämie   
  • 1 mg Purin-Nin LM = ca. 3,0mg Harnsre im Körper
  • 1 mg Harnsre = va. 0,33 mg Purin-N
  • Purin-N [mg] * 0,8 = Harnsre-N [mg]
  • Purin-N [mg] * 2,4 = Harnsre [mg]
  • Harnsre-N [mg] * 3,0 = Harnsre [mg]
  • RNA lässt den HS höher steigen als DNA
  • AMP und GMP [Adenosinmonophosphat-Guanosinmonophosphat ist ein cylclisiertes Dinukleotid und in manchen Bakterien ein Second Messenger.] bewirken noch stärkeren HS anstieg, durch bessere Resorptionsrate
  • Alkohol fördert die HS Bindung in der Leber. Hemmt die HS Ausscheidung über die Niere, das führt wiederum zu einer Übersäuerung des Blutes, dadurch wird die löslichkeitsgrenze für HS wir herabgesetzt, mögliche Folge à Gichtanfall
    • Regt den Appetit an und führt reichlich Energie zu, was Übergewicht begünstigt.

Risikogruppen

  • Prävalenz steigt im Alter
  • Männer sind häufiger betroffen
  • Frauen sind besonders nach der Menopause betroffen, da das Östrogen die HS Ausscheidungen befördert.
  • Personen mit vorgeschrittener Niereninsuffiziens
  • Übergewichtige und Personen mit einem Metabolischem Syndrom
  • Einnahme von Diuretika
  • Einnahme von ASS
  • In Zeiten der Not ist die Gicht selten, in Zeiten des Wohlstandes häufiger!

Formen der Hyperurikämie

  • Primäre: Störung der Renalen Ausscheidungen [98 – 99 % der Patienten]
    • Vermehrte endogene Synthese 1 – 2% der Patienten
  • Sekundäre: Vermehrte HS Bildung bei Leukämie, Bestrahlung
    • Verminderte HS Ausscheidung Niereninsuffizienz, Ketoazidose, Bleivergiftung
    • Vermehrte Bildung und verminderte Ausscheidung durch zu hohen ALk. Konsum
    • Medikamente

Formen der Gicht:

  • Primäre Gicht: genetisch beding
    • Manifestation durch Überernährung
    • Erhöhter Akl
    • Durch Fasten
    • Dekompensierter DTM
  • Sekundärer: Folgen einer Krankheit, die mit vermehrtem Auf und Abbau von Nukleoproteiden einhergeht
    • Einnahmen von bestimmten Medikamenten

Ursachen

  • Entweder verminderte Ausscheidung oder vermehrte Bildung der HS
  • Genetisch
  • Ernährung
  • Medikamente
  • Alkoholabusus

Symptome

  • Erhöhte HS Werte im Blut, keine Spürbaren Symptomen
  • Später Auskristallisation à Salze in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnenscheiden, Unterhautfettgewebe = aber immer noch nicht spürbar!
  • Akuter Gichtanfall
    • Schmerzen
    • Üblicherweise nachts
    • Meist am Großzehengrundgelenk

Stadien-Einteilung Variante 1

  1. Asymptomatisch Gichtanlage bei familiärer Hyperurikämie
  2. Akuter Gichtanfall
  3. Interkritische Phase
  4. Chronisches Stadium

Variante 2

  1. Hyperurikämie
  2. Mikroskopischer oder bildgebender Nachweis von Uratkristallen
  3. Uratkristallsammlungen mit Symptomen akuter Gichtanfälle
  4. Fortgeschrittene Gicht

Komplikationen

  • Akuter Gichtanfall
  • Gichtniere
  • Nierensteine
  • Niereninsuffizienz
  • Arterielle Gefäßerkrankungen

Therapie

  • Purin freies EW (Milch, Ei) verstärkt die renale HS-Ausscheidung
  • Zuckeraustauschstoffe, besonders Fruktose lassen HS-Ansteigen
  • Fettreiche Kost erhöht die Ketonkörper Bildung und führt somit zur Hemmung der Renalen Ausscheidung
  • Alkohol
    • Fördert die HS Bildung in der Leber
    • Hemmt die die HS Ausscheidung
    • Führt zu einer Übersäuerung des Blutes, Löslichkeitsgrenze für HS wird herabgesetzt, mögliche Folge à Gichtanfall
    • Regt den Appetit an und führt reichlich Energie zu, was zu Übergewicht führt
  • Langsamen Gewichtsreduktion senkt den HS Spiegel
  • Keine Fastenkuren à HS Erhöhung
    • Ketonkörper Bildung durch Fettabbau
    • Gesteigerter Purin Abbau durch Muskelmasseverlust
  • Viel Trinken
  • Kaffee und Tee hemmen die HS-Bildung
  • Alkalisierende Getränke sind günstig bei HS-Nierensteinen, zb. Hydrogenkarbonat-reiches Mineralwasser
  • Eine Ovo-Lakto-Veg. Kost ist zu bevorzugen
  • Ziel: < 6mg/dl [< 360 qmaol/l Serumharnsäure

Ernährungtherapie

  • Purinarme < 500mg mg HS / d max. 3.000 mg / Woche
  • Bei Hyperuri. oder Gicht ohne Anfälle
  • Oft in Verbindung mit entspr. Medi.

Strenge purinarme Ernährung

  • < 300 mg HS /d max. 2.000 / Woche
  • Beim Ablehnen von HS senkenden Med. trotz rezidivierenden Gichtanfällen

Prinzipien

  • Vollwertig
  • Energiedefiniert
  • Purin arm < 500 mg HS/ d
  • Fettarm und fettmodifiziert
  • Wenig Mono und Disacchariden
  • BS nur 20 bis 30 g/d (Purinreich)
  • Flüssigkeitsreich
  • Salz beachten < 5 g/d 
  • Kaliumreich >2.000mg/d
  • Cholesterin < 300 mg/d
  • Alk. und Nic. meiden
  • Abwechslungsreich essen
  • 5 MZ / d günstig

NS/ Energie Berechnung

  • Bei Normalgewicht zb. WHO Formel
  • Bei Übergewicht nach Müller

Eine langsame Gewichtsreduktion ist wichtig. (0,5 – 1 Kg pro Woche) um den Abbau körpereigener Eiweiße zu verhindern

Purinarme

  • 12 – 15% EW
  • 25 – 30% Fett
  • 55 – 60% KH
  • <500 mg HS/d max. 3.000 mg / Woche
  • BS 20 – 30 g/d Flüssigkeit 2 – 3 l/d
  • Salz <5g/d, Kalium: >2.000 mg/d

GT

GeeignetUngeeignet
Kochen, Dämpfen, Dünsten, Garziehen, Braten, Schmoren, Grillen (nur für Gemüse, Kartoffel, Getreide – gilt nicht für Tierische Produkte)Backen in Trockener Hitze, Alufolie, Bratschlauch, Antihaftpfanne  Frittieren Braten, Schmoren, Grillen von Fleisch und mit viel Fett Backen mit viel Fett  

KKT

  • Max einmal täglich 100 – 150g Fleisch, Wurst oder Fisch
  • Keine Verwendung von Fleisch, Fisch, Geflügelbrühe oder Wurstsuppe à Gemüsebrühe
  • Fleisch, Fisch, Wurst und Geflügel nicht braten, schmoren oder Grillen à zum Füllen oder Kochen möglich (ohne Verwendung der anfallenden Flüssigkeiten)
  • Meiden von Innereien, Meeresfrüchten, Fruktose, Hülsenfrüchten, Brokkoli, Rosenkohl
  • Hackmassen mit Gemüse strecken und mit Magerquark und Haferflocken anstelle von Ei und Semmelmehl binden
  • Magerquark mit Mineralwasser aufschlagen
  • EW in Form von fettarmer Milch, mageren MiPro, oder/und Purin armen Pflanzenprodukten aufnehmen
  • Purin Gehalt pflanzlicher LM Beachten
  • Hülsenfrüchte nur als Fleischersatz verwenden
  • Fett Sparsam verwenden
  • Pflanzliche Fette bevorzugen
  • Öl zum Braten verwenden, Pfanne nur auspinseln
  • Keine Mehlschwitze, sondern püriertes Gemüse oder Nestargel zum Binden verwenden
  • Anstelle von Mayonnaise, Essig-Öl-Quark oder Joghurtdressing verwenden 
  • Meiden von Zucker oder Zuckeraustauschstoffen
  • Zum Süßen Süßstoff oder Stevia verwenden
  • Beim Backen nur kleiner Vollkornanteil möglich
  • Getreide öfter als Hauptmahlzeit einsetzten
  • BS vorwiegend durch Gemüse und Obst (Achtung: Fruktose) zuführen
  • Rohkosten oder Gemüsesalate mehrmals täglich reichen, ideal als Vorspeise mittags und abends
  • Reichhaltige Gemüseportionen einsetzten (200 – 250g)
  • Reichhaltich kalorienarme Getränke trinken
  • Max. 1 Glas Wein/ d
  • Keine Fastenkuren durchführen und meiden von üppigen Feierlichkeiten
  • Bewegung fördern die Gewichtsreduktion

LM-Wahl

  • Ovo-Lakto-Veg. Kost nach den Richtlinien einer Reduktionsmischkost-Vollkost bei normal Gewicht
  • Purin Gehalt nach Verzehrs Menge beurteilen
  • Purinarm < 50 mg HS/100g LM
  • Höher Puringehalt >75 mg HS/100g LM
  • Sehr hoher Puringehalt > 150 mg HS/100g LM
  • HS-arm bzw. HS-Frei bis 40 mg HS/100g LM
  • Mitterer HS Gehalt bis 170 mg HS/100g LM
  • Hoher HS Gehalt bis 250 mg HS/100g LM

Allgemeine Purinarme Kost

Besser geeignetUngeeignet
Fettarme Milch, MiPro, Butter, Öle, Kartoffeln, Reis, Teigwaren, das meiste Obst, die meisten Gemüsesorten, Pilze [BS- beachten] Brot und Gebäcke, Kaffee, TeeAlle Fleisch- und Wurstprodukte,  Meeresfrüchte, Sprotten, Chips, Fast-Food, Junk-Food, Innereien, Soja, Hülsenfrüchte, Zucker, Fruktose, Süßwaren, Limonaden, Brokkoli, Artischocken, Lauch, Schwarzwurzel, Rosenkohl, Bananen, Trockenfrüchte, Alkohol

*Tabelle 2

  Streng Purinarme Kost

  • < 300 mg HS/100g LM < 2.000 mg HS/100g LM
  • EW über magere MiPro und Purin armes Getreide aufnehmen
  • 1 – 2 /w sind 100g Fleisch oder Fisch erlaubt
    • Am besten gekocht und ohne oder Fisch erlaubt
  • Verboten sind: Innereien, Meeresfrüchte, Purin reichen Pflanzen
    • Nur kurzfristig gegeben

  Kost bei Gichtanfall

  • Streng Purin arme Kost
  • Unbedingt regelmäßig 5 – 6 kleine Portionen essen
  • Kompletter Verzicht auf Purinreiche LM
  • Kompletter Verzicht auf Alk.
  • Trinkmenge erhöhen auf 3 L um HS Ausscheidung zu fördern
  • Ursachen ergründen (Lebensmittel, Alkohol, Wetter, Sport)

  Kost bei Gichtniere und HS Steinen

  • Trinkmenge 3 L -für 2 L Ausscheidung
  • Gleichmäßige Urinabgabe über Nacht ist wichtig (Urin pH 6,4 – 6,7
  • Kaliumreiches Essen und Trinken: Kartoffeln, Mehlspeisen, Zitrusfrüchte, alkalisches Mineralwasser
  • Purin arme Kost

Speisefolge

  • Frühstück
    • Porridge [Hafer max. 30g] mit Milch, Butter, und/oder frischem Obst
    • Joghurt mit Beerenobst
    • Quark mit Obst oder Wildbeeren
    • Quarkkeulchen
    • Eierkuchen (Blinis)
    • Armer Ritter
    • Helles Brötchen mit Butter, Käse, Frischkäse, Brotaufstriche und oder mit Gemüsebelag
    • Mischbrot mit Quark
    • Omelette, Rührei, gekochtes Ei (grad der Phase wichtig)
    • Obst
    • Kaffee [röstarm], Tee, Wasser, Malzkaffee
  • Mittagessen
  • Vorspeise
    • Rohkost Salate, gegarter Salat
    • Brühe mit Einlage
  • Mittag
    • Bratkartoffeln mit Gemüse
    • Kartoffeln generell mit allen möglichen Beilagen wie:
      • Quark, Fisch, Gemüsebeilagen
    • Reis, Nudeln, Buchweizen, Ebly, Weizen
    • Erlaubtes Gemüse
    • Quark, Ei, Fisch, Bratlinge aus Gemüse, Frischkäsesoufflet
    • Gemüsegulasch / Fleisch
    • Eintöpfe, Suppen
    • Crepe, Eierkuchen
    • Grießbrei, Milchreis, gestürzte Fruchttunke
    • Geleespeisen mit Quarksoße
    • Quarkspeisen
    • Obstsalat
    • Rote Grütze
  • Vesper
    • Quark-Öl-Teig
    • Brandmasse
    • Strudel
    • Hefeteig als Boden
    • Biskuit
  • Abendbrot
    • Mischbrot mit Butter + Käse +Schmalz, etc.
    • Eierspeisen
    • Gemüseaufstriche, Gemüsesülze
    • Herzhafte Muffins, Gebäcke
  • Spätstück
    • Rohkost
    • Eierspeisen
    • Gegarte Salate
    • Pikanter Windbeutel