Gestationsdiabetes ist einer der Weltweit verbreitetsten Schwangerschaftskomplikationen. Es tritt in der Regel ab der 20 SSW ein. Die diagnose ist bereits mit einem erhöhtem Glukosewert, nach dreimaliger Messung, sicher!

Ursachen

  • Hormonatagonisten des Insulins führen zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Das führt dann zu einer Erhöhung des Mütterlichen Insulinspiegel. Der erhöhte Blutzuckerspiegel der Mutter wiederum führ dazu, dass das Ungeborene die eigene Insulinproduktion anregt, was wiederum zu einem vermehrtem Wachstum führt, da Insulin u.a. auch ein Wachstumshormon ist.
  • Reicht die Körpereigen Insulinproduktion der Mutter dann nicht mehr aus, steigt der Blutzucker merklich an, sodass irgendwann die Nierenschwelle < 180mg/dl (10 mmol/l) überschritten wird [Nachweis: Glucose im Urin]. Während der Schwangerschaft sinkt die Nierenschwelle unter 180mg/dl (10 mmol/l)

Diagnose

  • bei Risikopatienten wird das Screening im ersten Trimenon veranlasst
  • bei verdacht folgt dann die Standard OGTT
  • bei einem Auftreten vor der 20 SSW ist es ein unentdeckter Diabetes Typ 2

Die Folgen für die Mutter

  • sind der Verlust einer unbeschwerten Schwangerschaft
  • vermehrte Fruchtwasserbildung

Die Folgen für das Kind

  • bei einer Hypoglykämie der Mutter kommt es zu Wachstumsverzögerungen, d.h. Teilleistungsschwächen bzw. Leistungsdefizite sind bei den Kindern möglich.
  • bei einer Adipösen Mutter, kann es zu Kognitiven Fehlentwicklungen des Kindes kommen
  • Hyperbilirubiämie, Atemstörungen, Hypocalciämie
  • Behaarte Ohren des Kindes
  • Das Risiko für eine übergewichtiges Kind bzw. das Risiko für ein späteres Übergewicht/ Adipositas liegt bei 50%; bei einem Geburtsgewicht von > 4Kg steigt das Risiko auf 60%
  • Gefahr einer früh erworbenen Pankreasminderfunktion, somit hohes Risiko für Diabetes Typ 2

Ernährungstherapie

!Therapie muss sofort beginnen!

  1. Schulung durch Spezialisten
  2. Bewegung a 3 mal die Woche zusätzlich, für jeweils 30 min pro Tag, am besten jeden Tag.
  3. bei 20% der Patienten ist eine Insulin Therapie notwendig
    • Beratung, Tagebuch ggf. ernährungs-Korrektur
    • Berechnung der SE
    • Selbstkontrolle
  4. Kohlehydrate begrenzen ja aber nicht unter 40%, sonst droht die Gefahr einer Ketoazidose!
  5. Eiweiß 20%; Fett 30 – 35%; Kohlehydrate 40% [min. 175g/d]
  6. Lebensmittel mit niedrigerem GL auswählen
  7. DASH Kost günstig
  8. Obst und Gemüse, Produkte mit reichlich Ballaststoffen wählen, fettarm günstig.
  9. gesättigte Fettsäuren, Weißmehl, süße Getränke, Fastfood etc. reduzieren.
  10. Auf Folsäure, Ca., Mg., Jod, Ka.,Fe., Vit.-B.-Komplex achten

Zu erreichende Zielwerte:

  • nüchtern 3,6 – 5,5 mmol/l [65 – 95 mg/dl]
  • postprandial 1h < 7,8 mmol/l [<140 mg/dl]
  • postprandial 2h < 6,7 mmol/l [< 120 mg/dl]
  • keine gezielte Gewichtsabnahme einleiten, wenn anfangs 1 – 2 Kg verloren gehen ist das noch unbedenklich.
  • Hungerketonämie aus Angst vor Insulinspritzen müssen dringend vermieden werden
  • eine weitere Gewichtszunahmen bei Übergewichtigen und Adipösen vermeiden, Gefahr einer Makrosomie [Großwuchs] des ungeborenen/ Kindes
  • kann eine Einstellung des Diabetes nicht erreicht werden, sollte erst dann einen Insulintherapie eingeleitet werden
  • keine Orale Antidiabetika -> bei bereits bestehenden Typ 2 mit oraler Antidiabetika, sofort absetzten und mit einer Insulintherapie beginnen!

IS- Therapie

  • Jede Insulintherapie möglich. Anpassung an die Bedürfnisse und an das Gewicht. Den Insulin und Gewicht steigen gleichermaßen zueinander Parallel
  • Eine Insulintherapie wird notwendig ab:
    • 50% über dem Zielwert
    • nüchtern Blutzucker > 6,1 mmol/l
    • postprandial Blutzucker 8,99 mmol/l
  • der HbA1c Wert spielt keine Bedeutung für die Therapie, aber man kann daraus einen Trend, für später schließen.

KKT für Frühstück und Spätstück

Frühstück

  • so kleine wie möglich halten 15 bis max. 30g komplexe Kohlehydrate aufnehmen
  • Komplexe Kohlehydrate sind notwendig, durch die Ausgeprägte Insulinresistenz in den frühen Morgenstunden
  • Meiden von Lebensmittel mit hohem GL Index wie: Obst, Obst-Saft, Kakau, Müsli –lieber auf das Mittag verschieben!

Spätstück

  • Stärkehaltige Lebensmittel sind nötig, um einen konstanten Blutzuckerwert über Nacht zu halten, damit möchte man eine Ketonkörperbildung über Nacht vermeiden und einen verbesserten nüchtern-Blutzuckerwerte am Morgen anstreben.
  • Berechnung der SE [Schätzeinheiten] und Zufuhr aller 3h (+/- 1h) nötig.
  • max. 4 SE/ Mahlzeit, sonst ist der Blutzucker kaum noch regulierbar
  • Fettarme Ernährung erleichtert die Blutzuckereinstellung erheblich
  • Positive Veränderung/ Einfluss auf den GL Indexe durch die Wahl von Eiweiß und Ballaststoffen

Nicht empfehlenswert

  • Zuckerhaltige Getränke aller Art, Zuckerhaltige Lebensmittel mit einem hohem GL-Index
  • Zucker nur zum Kochen oder Backen, in eine max. Dosis 50g/d verwenden
  • Zucker niemals Morgens zu sich nehmen, lieber auf das Mittag verschieben.
  • Süßstoffe unter Beachtung des ADI Wertes erlaubt
  • Lowcarb Diäten/ Ernährungsweisen sind nicht empfehlenswert, da die Gefahr der Ketonkörperbildung besteht. Dies gilt auch für die Stillzeit.
  • auf Fett-Proteineinheiten achten, siehe dazu Diabetes Typ 1

Nach der Geburt

  • Langes Stillen ist sehr günstig
  • 6 – 12 Wochen nach der Entbindung ist bei ca. 50% der Mütter immer noch eine gestörte Galaktosetoleranz oder bereits schon manifestierter D.m. T 2 vorhanden! Von daher die Mütter telefonisch oder schriftlich erinnern!