Erkrankungen des Atmungssystems und dessen Therapiemöglichkeiten

Ernährung bei COPD

Autoimmunerkrankungen

In der aktuellen Rheumatologie, Thiemeverlag 2007; 32(4): 193-195 aufrufbar unter DOI: 10.1055/s-2007-963249 wird die Prävalenz der Autoimmunerkrankungen beschrieben, den Autoren zufolge,

steigt diese in den Industrienationen während der letzten Jahre ständig an. Pathophysiologisch sind Autoimmunerkrankungen durch eine gesteigerte Entzündungsreaktion gekennzeichnet, die infolge des persistierenden Antigens perpetuiert bzw. sich ständig fortsetzt. Proinflammatorische, d.h. Entzündungsfördernde Mediatoren, die als Cytokine, Chemokine und Eicosanoide miteinander interagieren, werden überschießend gebildet.

Die Forschung der letzten 20 Jahre hat gezeigt, dass das Eicosanoidsystem ernährungsabhängig beeinflusst werden kann. Die Arachidonsäure ist eine ungesättigte Fettsäure, die zur Gruppe der Omega-6-Fettsäuren gehört. Sie kommt hauptsächlich in tierischen aber auch in Stark verarbeiteten Lebensmitteln vor: Größere Mengen sind vor allem in Fleisch, tierischen Fetten wie Butter und Innereien enthalten. Diese wird mit der in Industrienationen üblichen hohen Fleischzufuhr exzessiv zugeführt und ist die Ausgangssubstanz proinflammatorischer Eicosanoide.

Eicosapentaensäure und die aus ihr gebildeten Eicosanoide wirken entzündungshemmend. Wegen des geringen Fischverzehrs überwiegen in den Industrienationen die proinflammatorischen Stimuli. Möglicherweise ist dies auch ein Grund für das gehäufte Auftreten der Autoimmunerkrankungen und anderer Erkrankungen mit gesteigerter Eicosanoidbiosynthese in den Industrienationen. [1]

DOI: 10.1055/s-2007-963249

Die Hemmung der Entzündungsreaktion ist bei einer überschießenden Entzündungsreaktion, z. B. bei Autoimmunerkrankungen, sinnvoll. Die Ernährung wirkt modulierend auf die Entzündungsreaktion, wie epidemiologische Untersuchungen bezüglich der Häufigkeit infektiöser oder autoimmunologischer Erkrankungen gezeigt haben. Ernährungsabhängig ist das Eicosanoidsystem nachweislich beeinflussbar [2]. Stimulierend auf die Entzündungsreaktion wirkt Arachidonsäure, deren proinflammatorische Folgeprodukte auf enzymatischer, transkriptioneller und genomischer Ebene wirksam sind. Die günstigen Wirkungen der n-3-Fettsäuren sind vor allem für die Arteriosklerose und die Rheumatoide Arthritis nachgewiesen[3]. Auch und gerade für Asthma und COPD Patienten spielt eine solche Betrachtungsweise eine sehr große rolle[4]

Ausgehenden davon, dass Asthma eine Immunreaktion und eine Krankheit, an deren Entstehung frei Radikale mit beteiligt sind[5], sind gerade Ansätze zur Minderung der Arachindonsäure [Omega-6] und eine Steigerung der Eicosapentaensäure [Omega-3] aus Fischöl als sinnvoll zu betrachten.

Differenzierte Empfehlungen bezüglich spezifischer Nahrungsbestandteile werden in den Asthmaleitlinien [Buhl R et. al – Leitlinie zur Diagnostik und Therapie] leider nicht formuliert. In der aktuellen Leitlinie der Globalen Initiative für Asthma aus dem Jahr 2006 (GINA) wird auf die Vermeidung von Nahrungsmittelallergenen bei entsprechend sensibilisierten Patienten hingewiesen.[6] Darüber hinaus wird auf die Bedeutung von Sulfiten für die Auslösung von Asthmaexazerbationen hingewiesen, während die Rolle bestimmter Zusatzstoffe wie Tartrazin, Benzoat, Mononitrat und Glutamat als wahrscheinlich minimal eingeschätzt wird. Daneben wird davon ausgegangen, dass Salicylate in Nahrungsmitteln bei Salicylat-Asthma erhebliche Bedeutung haben. Im Hinblick auf übergewichtige Patienten wird eine Gewichtsreduktion empfohlen, da dies mit einer Verbesserung der Lungenfunktion, der Symptome sich entwickelnder Morbidität und des Gesundheitszustandes insgesamt einhergeht .[6]

Die empirischen Quellen zum Zusammenhang von Vitamin C und Asthma sind unterschiedlicher Natur. Anderson[7] stellte eine verbesserte Motilität neutrophiler Granulozyten und reduzierte Antistreptolysin-Spiegel, bei der Gabe von 1g/d Vit. C, fest.[8]

Insgesamt ergeben sich aus den zitierten Studien, Anderson[7]; Schachter und Schlesinger[9],[10] widersprüchliche Aussagen zum Effekt von Vitamin C auf die Bronchokonstriktion und Hyperreagibilität bei Asthmatikern. In der Mehrzahl der Untersuchungen wurde allerdings eine antiasthmatische Wirkung von Vitamin C festgestellt. [11]

Empfehlung

Vitamin C kann zur begleitenden Therapie des Asthma bronchiale in Dosierungen zwischen 0,5–1 g, im Einzelfall auch bis 2 g, empfohlen werden. Um einen Verlust des Vitamin C in diesen hohen Dosierungen über die Niere zu vermeiden, sollte das Vitamin C in einer geeigneten Galenik vorliegen, wodurch es über mehrere Stunden verteilt freigegeben wird und so renale Verluste vermieden werden können. Die Sensibilität gegenüber Histamin-induzierenden allergischen Dispositionen kann durch die hohen Dosierungen an Vitamin C verringert werden.

Geht man davon aus, dass der Tagesbedarf von gesunden Erwachsenen über den empfohlenen 100 mg liegt und ein erniedrigter Vitamin-C-Spiegel im Blut ein erhöhtes Risiko für Asthma bedingt bzw. Asthmatiker grundsätzlich einen erniedrigten Vitamin-C-Plasmaspiegel aufweisen, so benötigt besonders der Asthmakranke aufgrund der vorab zitierten Daten eine deutlich höhere und vor allem regelmäßige Zufuhr an Vitamin C.[12]

Ernährungsempfehlung bei Dyspnoe

Praxistipps für den Patienten nach Kohler. P – Ernährung nach COPD[13], [14]

  • Zur Vermeidung der postprandialen Luftnot fünf bis sechs Mahlzeiten in kleinen, hochkalorischen Portionen einnehmen. Speisen evtl. mit Butter, Raps- oder Leinöl und Nüssen anreichern.
  • Langsam und in Ruhe essen, wegen der Dyspnoe nicht sprechen.
  • Während des Kauens das Besteck beiseitelegen, aufgestützte Arme erleichtern das Atmen.
  • Wegen schneller Sättigung erst nach dem Essen trinken, möglichst Getränke ohne Kohlensäure. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die Sekretolyse zu ermöglichen.
  • Ist die Zubereitung zu anstrengend, vermehrt (Teil-)Fertiggerichte auswählen.
  • „Lippenbremse“ bei Ausatmung zwischen den Bissen gewährleistet einen end-expiratorisch positiven Atemwegsdruck (PEEP).
  • Bei Zahnproblemen entsprechende Sanierung vornehmen lassen.
  • Die Wirksamkeit der Ernährungsmaßnahmen kann unter häuslichen Bedingungen einfach anhand des Körpergewichtsverlaufes bestimmt werden.
  • Jede Ernährungsberatung ist nur dann erfolgreich und sinnvoll, wenn der Patient für eine dauerhaft ausreichende Selbstorganisation sorgt.

COPD: Bei Kachexie

Personen mit COPD haben einen erhöhten Ruheenergieumsatz, der vor allem durch die chronischen Entzündungsprozesse bedingt ist. Unabhängig davon stellte man auch Veränderungen der belastungsinduzierten Thermogenese [Wärmeproduktion] fest. COPD-Patienten benötigen für dasselbe Ausmaß körperlicher Belastung mehr Energie als Gesunde. Hinsichtlich der Lungemechanik besteht eine Hyperinflation [Lungenüberblähung oder, volumen pulmonum auctum], die sich besonders bei körperlicher Belastung bemerkbar macht und in einem erhöhten Energieverbrauch für die Atemarbeit resultiert. Doch nicht nur die Atemmuskulatur, sondern auch die übrige Skelettmuskulatur ist bei COPD beeinträchtigt. So fand man eine reduzierte oxidative Kapazität der Beinmuskulatur, die mit einer verminderten mechanischen Effizienz der Muskeln einherging.

Diese günstigen Ergebnisse wurden mit Trinknahrung erreicht, die die Patienten zwei- bis dreimal täglich in kleinen Portionen zu sich nahmen. Es gab aber auch Patienten, die von dieser Maßnahme nicht profitierten. Hier stellte sich heraus, dass sie die Supplemente anstelle von Mahlzeiten zu sich nahmen, so dass die Energiezufuhr ungenügend war.

Wichtig ist, die ernährungsmedizinische Intervention mit einem Programm für körperliches Training zu verbinden. Nur so kann erreicht werden, dass nicht nur die Muskelkraft, sondern auch die Ausdauer verbessert wird. Die einfache Botschaft heißt also: mehr essen und mehr Bewegung![15]

Zu den Personen, die schlecht auf eine Ernährungstherapie ansprechen, gehören vor allem Patienten mit Hinweisen auf eine systemische Entzündung. Dies zeigte eine Studie, in der TNF-α-Konzentrationen untersucht wurden[16]. Wahrscheinlich wird der Appetit durch Entzündungsprozesse gedrosselt. Außerdem erhöhen Entzündungsprozesse den Ruheenergieumsatz. Verzweigtkettige Aminosäuren sind essenzielle Aminosäuren wie, Leucin, Isoleucin und Valin. Diese spielen wahrscheinlich auch eine wichtige Rolle. Wenn nämlich bei Entzündungsprozessen verstärkt Akute-Phase-Proteine gebildet werden, ist die Proteinsynthese der Leber allgemein stimuliert. Die Aminosäuren kommen teilweise aus der Skelettmuskulatur und stehen dann dort nicht mehr für die Proteinsynthese zur Verfügung. Tatsächlich fand man bei Emphysempatienten mit reduzierter Muskelmasse eine reduzierte Proteinsynthese, jedoch keinen vermehrten Muskelabbau[17].

Daher der Allgemeine ernährungsrelevante Hinweis: Fisch, Wildfleisch, Nüsse, Hülsenfrüchte, allg. tierisches Proteine und reichlich Antioxydanzien, wie Vit. C, E, D; sekundäre Pflanzenstoffe. Eine Studie legt nahe, dass eine orale Nahrungsergänzung unter Verwendung einer mit BCAA angereicherten Elementar-Diät sich als wirksam erwiest.[18]


Quellen

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