CED – Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

  • Morbus Crohn + Colitis ulcerosa
  • Kann gleichzeitig auftreten, aber seltener

Eine Differenzialdiagnose ist wichtig, d.h. Ausschluss anderer möglichen Erkrankungen wie: Kolonkarzinom, Divertikulitis, Akute bakterielle Kolitis, Salmonellen, parasitäre Kolitis, Ruhr, Amöben, Pankolitis pseudomembranöse KolitisEine antibiotikaassoziierte Kolitis oder pseudomembranöse Kolitis entsteht, wenn die Darmflora (meist iatrogen bedingt) durch Antibiotika so sehr geschädigt wird, dass sich auf diese Weise insbesondere das Bakterium Clostridioides difficile sehr stark vermehren kann. -wikipedia.org

Morbus Crohn – M.C.

  • Hauptbefallsort: terminales Ileum -> Übergang Dünndarm zum Dickdarm
  • Segmentaler Befall der Darmschleimhaut
  • [1]Transmurale Entzündung
  • Häufig gesamter Verdauungstrakt betroffen
    • Dabei alle 4 Gewebsschichten betroffen -> geht tief in Wandschicht rein [Transmural]
  • Komplikationen: Fistel- und Abszessbildung
    • Fistel: Gangbildung, auch nach außen (zw. Darm + Blase/ Niere, Haut mgl.)
    • Abszess: Eiterbeutel
  • SKL zu M.C.:
    • Gewichtsverlust
    • Malabsorptionssyndrom
    • Vitamin B12 Mangel
    • Wachstumsstörungen
    • Gallensäurenverlustsyndrom durch gestörten enterohepatischen Kreislauf
    • Darmstenosen, Ileus [verdichtete Darmschleimhaut, durch Narbenbildung]
    • Hohes Risiko für Darmkrebs

Symptome

  • Bauchschmerzen
  • Durchfälle, 5-20/d, selten blutig – Dehydrationsgefahr
  • Allgemeine Schwäche
  • Gewichtsabnahme
  • Malabsorption
  • Appetitlosigkeit – keine eindeutigen Symptome

Colitis ulcerosa – C.u.

  • Chronisch rezidivierende Entzündung der Dickdarmschleimhaut mit Neigung zur Geschwürbildung [Ulkus]
  • Entzündung bleibt auf Tunica mucosa und Tunica submucosa beschränkt
  • Vom Rektum aufsteigend, gesamte Kolon befallend
  • Mangelernährung und hohes Osteoporose-Risiko
  • Oberflächliche Entzündung

Symptome

  • Sehr häufige blutige, schleimige Durchfälle; Stuhldrang
  • Kranpfartige Bauchschmerzen
  • Druckschmerz
  • Erhöhte Temperatur
  • Häufige Rezidive
  • Gefahr Kolonkarzinom!

CED

Symptome außerhalb Darm

  • Anämie (B12-Mangel, blutiger Durchfall)
  • Arthritis
  • Hautveränderungen (große rote Flecken)
  • Veränderung MSH (aufgelagerte Entzündungen)
  • Stomatitis
  • Augenentzündungen
  • Fisteln, Abszesse
  • Bei C.u.: Lebererkrankung
  • Häufig mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert oder manchmal nur diese Symptome – oft falsche Diagnose

Komplikationen

  • Stenosen, Verwachsungen à Nahrung bleibt hängen
  • Fisteln
  • Abszesse
  • Mangelernährung (Makro- und Mikronährstoffe)

Ursachen

  • Genetische Disposition
  • Immunologisch
  • Umweltfaktoren
  • Mikrobion im Darm
    • Durch Erkrankung an sich oder Ernährung in Kombination mit Krankheit

Auslösende Faktoren

  • Hygiene im Kindesalter                                    
  • Psychosomatisch
  • Ernährung wahrscheinlich (z.B. B12-Mangel)
  • Rauchen
  • Lebensumstände

Allgemeines

  • Akutphase  &  Remissionsphase
  • Erhöhtes Darmkrebsrisiko
    • V.a. C.u.
  • Therapie
    • Medikamentös
    • Chirurgisch, d.h Resektion befallener Darmabschnitte bei Ileus u. Fisteln sollte daher sparsam reseziert werden.
  • Kein Einsatz von Fischölkapseln [omega-3] -> hat nicht die entzündungshemmende Wirkung, wie gedacht
  • Therapie/ Prophylaxe von Pouchitis mit Probiotika
  • Bei Patienten mit Pouch: Screening auf Mangelernährung alle 6 Monate lt. Leitlinie
    • Vit. D, B12, Eisen
  • Einzige mögliche Prophylaxe von CED: Stillen mind. 6 Monate
    • In Leitlinien beschrieben, aber keine Garantie
  • Häufig Kombination mit anderen Autoimmunerkrankungen (Rheuma, Zölliakie, DMT 1, LM-Unverträglichkeiten, Allergien)
  • Bei ca. 10% der Betroffenen ist Abgrenzung zwischen M.C. und C.u. nicht möglich

– Colitis indeterminata

Ernährungstherapie

Ziel der Diät Therapie

  • Abklingen der akuten Beschwerden
  • Verlängerung der Remissionsphase
  • Vermeiden von Mangelzuständen
  • Weitgehende Symptomfreiheit
  • ! Verbesserung der Lebensqualität

Akutphase

Prinzipien

  • Energiereich
  • Eiweißreich: 1,2 – 1,5 g/kgKG/d
  • Leicht verdaulich
  • Fettarm
  • Ballaststoffarm
  • Laktosefrei, -arm
  • Eventuell saccharosearm
  • Flüssigkeitsreich 2-2,5l
  • Motorisch und sekretorisch nicht reizend

MERKE: in Anlehnung an B1 + B2

Ernährungstherapie

  • Enteral oder parenteral möglich, bei nahrungskarenz
  • Bei Kindern und Jugendlichen mit M.C.
    • Ausschließlich enterale Ernährung mgl.: Modulen oder Alicalm
  • Bei M.C. zum Remissionserhalt
    • Enterale Ernährung oder Trinknahrung
  • Bei C.U: Keine ausschließlich enterale Ernährung
  • Enterale Ernährung bei Erwachsenen nur, wenn Besserung durch leitliniengerechte medikamentöse Therapie nicht erreicht wird oder wenn Patient es ablehnt oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten

Energiebedarf

  • 25-30 kcal/kg KG/d
  • 1-1,5 g EW/kg KG/d
    • Bei schwerster Mangelernährung: 2 g
  • F 20-25%

Kostaufbau

  • 1-2 Teetage mit 1,5 l/d
    • Lang gezogener schwarzer / grüner Tee
    • Kräutertee
    • Warm besser verträglich als kalt
    • Süßen mit Traubenzucker oder Maltodextrin
    • Zwieback dazu reichen
  • Schleimphase
    • Haferschleim: wirkt laxierend
    • Reisschleim: wirkt hypoallergen, stopfend
    • Leinsamen: wirken stopfend
  • Breiphase
  • Reis und Reisgerichte
  • Vorsicht mit Kartoffeln
  • Laktoseintolleranz mit Sauermilchprodukten testen

LM-Auswahl + Gartechniken: B2

KKT

  • Energieaufwertung mit TZ, Maltodextrin
  • Butter in kleinen Mengen
  • MCT-Fette mgl.
    • Mengen einsteigern: zu Beginn 10g/d; alle 3 Tage 10g zulegen
  • Spätstück einsetzen
  • B2

Möglicher Speisenplan

  • Früh
    • Puddingsuppe mit stark entölten Kakao, Zwieback
    • (Schaumomelette mit Quarkfülle)
    • Lang gezogener schwarzer Tee mit Maltodextrin gesüßt
  • 2. Früh
    • Abgelagerte Brötchen mit Butter, Gouda und Kochschinken ohne Fettrand
    • Mineralwasser still
  • Mittag
    • Pastinaken-Cremesuppe
    • Reis mit gedünstetem Fenchel, pochierte Hähnchenbrust, helle Sauce
    • Schichtgelee mit Vanillesauce
    • Mineralwasser still
  • Vesper
    • Rührkuchen mit zerdrückter Banane
    • Malzkaffee
  • Abend
    • Brot mit Eierkäse und Frischkäse
    • Kräutertee
    • Spätstück
    • Gemüsepüreesuppe, abgelagertes Weißbrot

Remissionsphase

Ziel

  • Remissionsphase erhalten
  • Lebensqualität
  • Prophylaxe Mikro- und Makromangelernährung
    • Als Nebenwirkungen von Medis mgl.

Prinzipien

  • Vollwertig
  • Energiedefiniert
  • Eiweißreich: 1,2-1,5g/kg KG/d
  • Leicht verdaulich
  • Motorisch + sekretorisch wenig reizend
  • Ballaststoffhaltig: ca. 30g/d
  • Flüssigkeitsreich: 1,5-2l/d
  • Ohne Nikotin und Alkohol
  • Oxalsäurearm bi M.C. (Spinat, Mangold, Kakao, Tofu, grüner und schwarzer Tee)
  • Bei Mangel Substitution von
    • Vitamin D      1500-2000 IE
    • Calcium mind 1000 mg
    • Eisen, Zink
    • B12
  • Individuelle Unverträglichkeiten beachten

Energiebedarf

  • wie LVK, aber eiweißreicher: 18-20%

LM: Auswahl

  • fettarme EW-Träger
  • wie LVK
  • evtl. Laktoseintoleranz beachten
    • mit Sauermilchprodukten austesten
    • Milchersatzprodukte mit Calciumzusatz
  • Butter, pflanliche Öle, Margarine
  • Evtl. MCT-Fette (Bei Steatorrhoe)
  • Keine Halbfettprodukte à schwer verdaulich
  • Kohlenhydrate wie LVK
  • Zucker, brauner Zucker
  • Stevia, Süßstoff à nicht diätetisch notwendig
  • Traubenzucker: leicht aufschließbar (galt lange als eher ungünstig)
  • Getränke und Gewürze wie LVK

Mögliche Speisen

  • wie LVK
  • Spätstück
    • Obligatorisch in Akutphase
    • Fakultativ in Remissionsphase
    • Bei M.C.: Achtung, wenn oxalsäurearme Kost

Gartechniken

  • LVK

KKT

  • Grundlage LVK
  • Bei Stenosen ballaststoffarme LM auswählen
  • Meiden von faserreichem Obst und Gemüsesorten (Spargel, Staudensellerie, Zuckerschoten, Zitrusfrüchte)
  • Gründliches Kauen und Einspeicheln der Nahrung
  • Bei Laktoseintoleranz
    • Laktosefreie Produkte
    • Calciumreiches Mineralwasser
    • Sauermilchprodukte austesten
  • Einsatz von prä- und probiotischen LM zum Remissionserhalt bei C.U.
  • Bei Steatorrhoe MCT-Fette
    • Langsam einsteigern
    • 100% ige nur in kalter Küche
    • 77% ige bis 150°C  ? oder anders herum?
    • 82% ige bis 180°C
    • Gleichzeitig fettarme LM auswählen
    • 100g/d gut verträglich, Kinder die Hälfte
  • Energieaufwertung: Trinknahrung (pur oder eingerührt), Fettigkeit (Butter)
  • Eiweißanreicherung: Quark, Joghurt, Skyr à auch calciumreich
    • Mit Hitze aufpassen à flockt gern aus
  • Bei Einnahme von Kortikosteroiden
    • Calciumzufuhr 1000mg/d à durch Medi erhöhte Osteoporosegefahr
    • Vitamin D Zufuhr beachten
    • Täglicher Aufenthalt im Freien
  • Allgemeine KKT: wie LVK

Register:

  • [1] Transmural von lateinisch: trans – jenseits, über, hinüber; murus – Mauer

Definition
Transmural bedeutet „durch eine Organwand hindurch“ bzw. „alle Schichten einer Organwand betreffend“. Der Begriff wird in der Anatomie und Pathologie eingesetzt, um auszudrücken, dass eine Struktur bzw. pathologische Veränderung die gesamte Organwand durchzieht